Tiveden Nationalpark in Schweden: Wandern zwischen Felsen und Urwald
Der Tiveden Nationalpark gehört für uns zu den spannendsten Wandergebieten im südlichen Schweden. Statt weiter Landschaft erwarten Dich hier dichter Wald, gewaltige Felsblöcke, enge Felsspalten und immer wieder kleine Seen.
Wir haben den Nationalpark selbst zu Fuß erkundet und dabei schnell festgestellt: Die Kilometerangaben der Wanderwege können täuschen. Durch das ständige Auf und Ab über Wurzeln, Felsen und teilweise ziemlich unebenes Gelände brauchen wir im Tiveden deutlich länger als auf einem normalen Wanderweg.
In diesem Beitrag zeigen wir Dir, welche Wanderungen sich im Tiveden Nationalpark lohnen, was Dich vor Ort erwartet und was wir bei einem weiteren Besuch anders planen würden.
Tiveden Nationalpark auf einen Blick
Lage: zwischen Vänern und Vättern in Südschweden
Charakter: Wald, Seen, große Felsblöcke und zerklüftetes Gelände
Aktivität: vor allem Wandern
Wege: mehrere markierte Rundwanderungen unterschiedlicher Länge
Schwierigkeit: kurze Strecken können durch Felsen und Höhenunterschiede deutlich länger dauern als erwartet
Mit Wohnmobil erreichbar: ja, Parkmöglichkeiten an verschiedenen Eingängen
Unser Tipp: lieber weniger Kilometer planen und genügend Zeit mitbringen
Anreise und Parken im Tiveden Nationalpark
Der Tiveden Nationalpark liegt zwischen den Seen Vänern und Vättern, ungefähr zwischen Karlsborg, Askersund und Laxå. Mit dem Auto oder Wohnmobil ist der Nationalpark über das regionale Straßennetz gut erreichbar. Die letzten Kilometer führen über kleinere Straßen durch die typische Waldlandschaft des Tiveden.
Für die Navigation würden wir nicht einfach nur „Tiveden Nationalpark“ eingeben, sondern vorher überlegen, an welchem Eingang die geplante Wanderung starten soll. Im Nationalpark gibt es mehrere Zugänge mit Parkmöglichkeiten. Der wichtigste Ausgangspunkt ist der Haupteingang Huvudentrén. Dort befinden sich neben dem Parkplatz auch das Besucherzentrum sowie Toiletten und Informationen über den Nationalpark und seine Wanderwege.
Weitere Ausgangspunkte gibt es unter anderem bei Vitsand und Ösjönäs. Welcher Parkplatz sinnvoll ist, hängt deshalb vor allem davon ab, welche Wanderung Du geplant hast. Wer zum ersten Mal im Tiveden unterwegs ist, macht mit dem Haupteingang einen guten Ausgangspunkt.
Mit dem Wohnmobil zum Tiveden Nationalpark
Auch mit dem Wohnmobil lässt sich der Tiveden gut besuchen. Auf den letzten Kilometern solltest Du allerdings mit kleineren Straßen rechnen und entsprechend entspannt fahren. Eine besondere Geländebereifung oder ein Allradfahrzeug ist für die normale Anreise zum Nationalpark nicht erforderlich.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Parken und Übernachten: Ein Parkplatz am Nationalpark ist nicht automatisch ein Wohnmobil-Stellplatz. Wenn Du in der Region übernachten möchtest, solltest Du dafür einen geeigneten Camping- oder Stellplatz nutzen und die Beschilderung vor Ort beachten.
Wenn Du mit Wohnmobil oder Wohnwagen mehrere Tage in der Region bleiben möchtest, findest Du in unserem Beitrag über Camping am Tiveden Nationalpark unsere Erfahrungen und weitere Informationen zur Übernachtung.
Öffentliche Verkehrsmittel
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist deutlich umständlicher als mit dem eigenen Fahrzeug. Der Nationalpark liegt abgelegen und wird nicht direkt durch regulären öffentlichen Nahverkehr erschlossen. Für eine Reise ohne eigenes Fahrzeug sollte die konkrete Verbindung deshalb vorab aktuell geplant werden; für die letzten Kilometer kann je nach Ausgangspunkt beispielsweise ein Taxi notwendig sein.
Für unsere Art zu reisen ist die Anfahrt mit Wohnmobil oder Pkw eindeutig die unkomplizierteste Variante.
Wandern im Tiveden Nationalpark: Die schönsten Wanderwege
- Trollkyrkorundan (rot): Die beliebte Rundwanderung von etwa 4,6 Kilometern führt zu den beeindruckenden Felsen „Lilla“ und „Stora Trollkyrka“ und durch magische Wälder. Der Weg verlangt teilweise etwas Kletterei, belohnt dich aber mit grandiosen Ausblicken.
- Stenkällerundan (gelb): Eine kürzere, circa 2,2 Kilometer lange Route, die dich über Felsen und an Seen entlangführt – ideal für eine leichtfüßige Erkundung.
- Oxögabergsrundan (blau): Eine etwa 6,7 Kilometer lange Strecke, auf der du verschiedene Naturtypen mit uralten Bäumen und offenen Flächen erleben kannst.
- Stigmansrundan (grau): Dieser rund 4,2 Kilometer lange Weg führt durch eine beeindruckende Schlucht und ist ideal, wenn du die wildere Seite des Parks entdecken möchtest.
- Tärnekullerundan (orange): Ein kürzerer Pfad von ungefähr 1,3 Kilometern, der sich als kleiner Spaziergang eignet, vor allem zum Warmwerden.
- Junker Jägarerundan (weiß): Rund 2,8 Kilometer mit abwechslungsreichen Landschaftseindrücken.
- Vitsandsrundan (schwarz): Der kürzeste Weg mit etwa 0,9 Kilometern, perfekt für einen schnellen Einblick in die Parknatur.
Foto-Highlights im Nationalpark
Der Park ist ein Paradies für Outdoor-Fotografen. Im frühen Morgen- oder späten Abendlicht nehmen die massiven Granitblöcke und Felsgruppen eine fast surreal wirkende Erscheinung an, die du unbedingt einfangen solltest. Die natürliche Grotte „Stenkälla“ ist ein faszinierendes Motiv, während die Seen wie der idyllische Stora Trehörningen mit spiegelglatter Wasseroberfläche sich perfekt eignen, um atemberaubende Landschaftsfotos zu schießen.
Die moosbedeckten Bohlenpfade durch den schattigen Wald und die tiefgrünen Blaubeerbüsche erzeugen malerische Nahaufnahmen. Zusätzlich kannst du mit etwas Geduld wildlebende Tiere oder seltene Pflanzen fotografieren – so wird dein Blog lebendig und lädt deine Leser zu einer visuellen Reise ein.
Unsere Ausrüstung zum Wandern im Tiveden Nationalpark
Im Tiveden brauchst Du keine besondere Expeditionsausrüstung. Gute Wanderschuhe und wetterfeste Kleidungsind für uns aber Pflicht. Viele Wege führen über Wurzeln, Felsen und teilweise steile oder unebene Passagen. Gerade nach Regen kann es entsprechend rutschig werden.
Wir nehmen außerdem lieber etwas mehr Zeit und Ausrüstung mit, als die kurze Kilometerangabe einer Wanderung zunächst vermuten lässt. Folgende Dinge haben sich bei unseren Touren in Skandinavien bewährt:
- Wanderschuhe mit gutem Profil: Im Tiveden für uns der wichtigste Ausrüstungsgegenstand. Feste und bereits eingelaufene Schuhe geben auf Felsen, Wurzeln und unebenem Untergrund deutlich mehr Sicherheit.
- Wanderstöcke: Besonders bei steileren Passagen und Abstiegen möchten wir unsere Wanderstöcke nicht mehr missen. Wir verwenden seit vielen Jahren unsere LEKI-Wanderstöcke (Anzeige), die uns gerade auf schwierigem Untergrund schon oft geholfen haben.
- Regen- und Wechselkleidung: Das Wetter kann sich auch im Sommer ändern. Wir setzen deshalb auf mehrere dünne Schichten und haben eine leichte Regenjacke im Rucksack.
- Mückenschutz: Je nach Jahreszeit können Mücken und Knott lästig werden. Bei uns gehört Nobite Sensitive (Anzeige) deshalb zur Standardausrüstung für Skandinavien. Mehr zu unseren Erfahrungen findest Du in unserem separaten Beitrag über Mücken und Knott in Norwegen und Schweden.
- Wasser und Verpflegung: Auch für eine vermeintlich kurze Runde nehmen wir ausreichend Wasser und etwas zu essen mit. Die Wege im Tiveden können deutlich mehr Zeit beanspruchen, als man anhand der Kilometerzahl zunächst erwartet.
- Navigation: Die markierten Wege machen die Orientierung im Nationalpark vergleichsweise einfach. Auf längeren Wanderungen haben wir trotzdem gerne eine Offline-Karte als Backup dabei. Zusätzlich nutzen wir seit Jahren ein Garmin GPSMAP (Anzeige). Der große Vorteil gegenüber dem Smartphone ist für uns vor allem die lange Laufzeit und die robuste Bauweise.
- Erste Hilfe und Notfallausrüstung: Ein kleines wasserdichtes Erste-Hilfe-Set (Anzeige) gehört bei uns auf Wanderungen grundsätzlich in den Rucksack. Auf längeren oder abgelegeneren Touren nehmen wir zusätzlich einen Not-Biwacksack mit. Wir verwenden Modelle von Ortovox für eine Person (Anzeige) beziehungsweise zwei Personen (Anzeige).
- Stirnlampe: Gerade wenn eine Tour länger dauert als geplant, ist eine kleine Stirnlampe sinnvoll. Unsere Petzl-Stirnlampen (Anzeige) begleiten uns inzwischen seit vielen Jahren.
Was wir für eine Tagestour zusätzlich einpacken
Kamera oder Smartphone, Sonnencreme, eine kleine Sitzunterlage und einen Müllbeutel haben wir ebenfalls meistens dabei. Unsere sehr kleine Sitzunterlage von Woolpower (Anzeige) nimmt kaum Platz im Rucksack ein und ist gerade auf feuchtem Untergrund praktisch.
Bei längeren Touren nehmen wir manchmal zusätzlich unseren Trangia mit. Wir nutzen je nach Tour einen Trangia mit Spiritusbrenner (Anzeige), den Gaseinsatz (Anzeige) oder einen besonders kleinen Mini-Kocher (Anzeige). Für eine normale kurze Wanderung im Tiveden ist ein Kocher natürlich nicht notwendig.
Einen Wasserfilter würden wir ebenfalls nicht speziell für den Tiveden empfehlen, sondern als Teil unserer allgemeinen Ausrüstung für längere Wanderungen in Skandinavien einordnen. Wir verwenden seit Jahren einen Katadyn-Wasserfilter (Anzeige). Wichtig ist dabei: Klares Wasser in einem schwedischen See oder Bach ist nicht automatisch Trinkwasser. Wie wir unterwegs mit Wasser umgehen, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag über Trinkwasser beim Wandern in Skandinavien (Link unten)
Was Du für den Tiveden wirklich brauchst
Für eine normale Tageswanderung würden wir es nicht komplizierter machen als nötig: gute Schuhe, wettergerechte Kleidung, Wasser, Verpflegung, Mückenschutz und ein geladenes Smartphone mit Offline-Karte reichen für viele Touren aus.
Je länger und abgelegener die Wanderung wird, desto eher ergänzen wir Navigation, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Stirnlampe und Notfallausrüstung. Das entspricht auch eher unserer tatsächlichen Art zu wandern, als für jede kurze Runde den kompletten Outdoor-Schrank einzupacken.
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Historische und geografische Fakten über Tiveden
Der Name „Tiveden“ stammt aus der nordischen Mythologie und bedeutet „Wald des Gottes Tyr“. Geografisch liegt Tiveden eingebettet zwischen den riesigen Seen Vänern und Vättern und bildet die Grenze zwischen den historischen Provinzen Västergötland und Närke. Seit 1983 steht Tiveden als Nationalpark unter Schutz und umfasst rund 13,5 Quadratkilometer eines der ursprünglichsten Waldgebiete Schwedens.
Die Landschaft wurde von den Kräften der letzten Eiszeit gestaltet: Riesige Granitblöcke türmen sich zu teilweise bis zu zehn Meter hohen Felsformationen auf, tiefe Spalten durchziehen das Gelände, und stille Seen sowie Moore zwischen den Steinformationen schaffen eine facettenreiche Naturkulisse. Weil der Boden an manchen Stellen sehr dünn und steinig ist, wachsen angepasste Pflanzen wie Blaubeeren, Sonnentau und kleine Kiefern, die sich zum Urwald und natürlichen Rückzugsgebiet für seltene Tiere entwickeln.
Unser Fazit zum Tiveden Nationalpark
Der Tiveden hat uns vor allem durch sein ungewöhnliches Gelände gefallen. Auf der Karte wirken viele Wanderungen kurz, unterwegs geht es aber ständig über Felsen, Wurzeln und durch zerklüfteten Wald. Genau das macht den Nationalpark für uns so interessant.
Für einen ersten Besuch würden wir mindestens einen ganzen Tag einplanen und lieber eine Wanderung bewusst genießen, statt möglichst viele Wege miteinander zu kombinieren.
Wenn Du mit dem Wohnmobil durch Südschweden reist und gerne wanderst, lohnt sich der Abstecher für uns auf jeden Fall. Beim nächsten Besuch würden wir sogar noch mehr Zeit einplanen und eine weitere der längeren Rundwanderungen ausprobieren.
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